von Pfister

Sänger gehen neue Wege

Von Dieter Berlieb (Odenwaldecho 11.4.2026)

LANGENBROMBACH. In Brombachtal zeigt sich, wie lebendig und anpassungsfähig Chormusik auch im ländlichen Raum sein kann. Zwischen Tradition und Aufbruch haben sich hier Strukturen entwickelt, die beispielhaft für den Wandel der Chorlandschaft stehen. Getragen wird diese von Engagement, Gemeinschaftssinn und nicht zuletzt von einer prägenden musikalischen Persönlichkeit wie Chorleiterin Sandra Ertl.

Der MGV 1868 Langenbrombach e.V. blickt auf eine über 150-jährige Geschichte zurück. Gegründet als klassischer Männergesangverein, steht er bis heute unter dem Leitspruch „Starke Stimmen und echter Zusammenhalt – Wir leben den Chorklang“. Doch ist der Verein längst mehr als ein traditioneller Männerchor. Mit aktuell 16 aktiven Sängern hat er sich bewusst weiterentwickelt. Sinkende Mitgliederzahlen in reinen Männerchören und der gesellschaftliche Wandel machten Anpassungen notwendig.

Der Vorstand – mit Martin Lipp – erkannte früh die Zeichen der Zeit. „2025 hatten wir vier Auftritte bei Veranstaltungen der Gemeinde, sangen bei mehreren Liederabenden befreundeter Vereine und veranstalteten auch einen eigenen Liederabend – wir sind sehr rege“, beschreibt Lipp das aktive Vereinsleben. Ein wichtiger Schritt war 2011 die Gründung der Singgemeinschaft mit dem Männerchor aus Momart. Trotz organisatorischer Eigenständigkeit singen die Männer seither erfolgreich gemeinsam unter der Leitung von Sandra Ertl.

Auch innerhalb des Chores wurde flexibel reagiert. „Wir möchten, dass der Chorklang stimmt“, betont Lipp. Durch Wechsel zwischen den Stimmgruppen konnte der vierstimmige Klang trotz altersbedingter Veränderungen erhalten werden. Auch Mehrsprachigkeit gehört dazu, wie Martin Lipp ergänzt. „Neben englischen Songs singen wir bewusst auch deutsche Stücke und wagen uns auch an andere Sprachen wie Italienisch oder Schwedisch.“

Neues Vokalensemble besteht seit zehn Jahren

Ein Meilenstein folgte 2019, als ein Projektchor mit gemischter Besetzung so große Resonanz entwickelte, dass daraus ein dauerhafter Chor entstand. Dieser wurde dann, als Schritt mit Signalwirkung, unter dem Dach des Männergesangvereins zusätzlich integriert. „Das war für uns die Chance, den Verein wirklich in die Zukunft zu führen“, erklärt Lipp. Der Chor wuchs schnell und entwickelte sich zu einer festen Größe im kulturellen Leben.

Die organisatorische Integration erforderte viel Einsatz, bietet heute aber klare Vorteile: „Jeder kann entscheiden, ob er ausschließlich im Männerchor oder auch noch im gemischten Chor singt“, so Lipp. Eine zentrale Rolle spielt dabei Sandra Ertl, die als Dirigentin und Gesangspädagogin die musikalische Entwicklung aller Ensembles prägt. „Sandra schafft es, aus jedem Chor das Beste herauszuholen und ihm einen eigenen Charakter zu geben“, sagt Lipp. Damit ist sie der verbindende Faktor zwischen Tradition und Moderne.

Unabhängig von den Chören entstand 2016 das Vocalensemble „8nach8 a cappella“, gegründet von Julia Kredel. Weitere entstammen Ertls Chören, die auch bei diesem Ensemble die musikalische Leitung übernahm. „Wir haben es zunächst in einem Projekt ausprobiert, ob es stimmlich und menschlich passt, und schnell gemerkt, dass es funktionierte“, berichtet Kredel. Wie die Initiatorin weiter ausführt, mache die Mischung aus unterschiedlichen Charakteren das Besondere der Gruppe aus.

Das Ensemble interpretiert bekannte Titel, von klassischer Vokalmusik über Gospel bis hin zu Pop und Balladen. „Wir wollen bekannten Liedern eine neue Farbe geben“, beschreibt Kredel den Anspruch.

Verbindung von Tradition und Zukunft

Der Erfolg der Chöre in Brombachtal beruht auf Engagement und Zusammenhalt und auf der Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Moderne Methoden unterstützen dabei die Probenarbeit, Stimmen werden aufgenommen und digital zur Verfügung gestellt. „So kann jeder auch zu Hause gezielt üben“, erklärt Lipp, der auch als Mann der Technik bei den Chören fungiert. Damit zeigt sich, dass die Chorszene in Brombachtal lebendig, offen für Neues und fest in der Region verankert ist und damit eine gelungene Verbindung aus Tradition und Zukunft geschaffen hat.

Die Arbeit mündet in zwei öffentlichen Veranstaltungen. Das Konzert zum zehnjährigen Bestehen von „8nach8 a cappella“ ist am Samstag, 18. April, um 19 Uhr in der evangelischen Kirche Kirchbrombach, der Eintritt ist frei. Zu seinem Liederabend lädt der MGV Langenbrombach für Samstag, 30. Mai, um 19.30 Uhr, ebenfalls bei freiem Eintritt, in das Bürgerhaus Langenbrombach ein. Mitwirkende sind die Singgemeinschaft Langenbrombach-Momart, CHORisma-Langenbrombach und der gemischte Chor „Sound of Kinzig“.

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